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Unsere Auszubildende - "Zwei Sechser im Lotto"


Zwei junge Iraker absolvieren aktuell ihr drittes Ausbildungsjahr bei Krome's Backstube in Bredenborn. "Das Tolle ist, dass man sich hier im Betrieb in Bredenborn nicht wie ein Geflüchteter fühlt, sondern wie ein Familienmitglied", sagen Ameer Sattar und Naseer Aldulaimi. Sie sind beide 24 Jahre alt, stammen aus dem Irak und leben schon seit einigen Jahren in Deutschland - seit kurzem nun jeder in seiner eigenen Wohnung in Schieder. "Mit den beiden Jungs habe ich zwei Sechser im Lotto", ist Bäckermeister Bernd Krome von dem Potenzial seiner Auszubildenden überzeugt.


Ameer und Naseer befinden sich bereits im dritten Lehrjahr in der Bredenborner Backstube, im Sommer steht die Abschlussprüfung an. "Die schaffen das, da bin ich fest von überzeugt", gibt Krome sich zuversichtlich. Doch es war keineswegs immer einfach für die jungen Iraker: "Die Sprache war zu Beginn das größte Problem", sagen sie selbst. Im Betrieb sei man ihnen mit viel Geduld begegnet, am Berufskolleg Kreis Höxter-Brakel sei die Hürde jedoch umso größer gewesen. "Wir schreiben ja eigentlich nicht mal von links nach rechts" weist Naseer auf ganz grundsätzliche Unterschiede hin, die bei schriftlichen Arbeiten im Weg standen. Doch die beiden konnten auf die Hilfe der Lehrer zählen. "Sie bringen befriedigende Noten mit und dem zolle ich meinen vollen Respekt", sagt Krome.


Über diverse Großstädte gelangten die beiden in den Kreis Höxter. "Hier lernt man eigentlich viel mehr, man kommt mit Deutschen in Kontakt. Wenn ich in Köln bei meinen Verwandten bin, brauche ich kaum Deutsch zu sprechen", sieht Ameer die Vorteile des ländlichen Gebiets. Sein Großvater hat in Bagdad einst selbst eine Bäckerei aufgemacht, die sein Vater nun weiterführt. "Ich bin schon mit dem Beruf aufgewachsen", sagt Ameer über die Familientradition. Naseer hat ebenfalls schon Erfahrung: "Ich habe im Irak als Koch gearbeitet, fünf Jahre lang", erzählt er. Das ist auch der Grund, warum er sich mit der Bäckerausbildung nun für eine ähnliche Richtung entschieden hat.

Die Azubis kamen in Bredenborn für einige Zeit bei den Eltern von Bernd Krome unter. "Wir hatten dort eine separate Wohnung, die sowieso freistand", erklärt Krome. Ob zu Behördengängen, zum Einkaufen oder in die Therme - bevor die beiden ihren Führerschein hatten, wurden sie voll ins Familienleben integriert. Und die jungen Flüchtlinge geben ihr Bestes, um so viel wie möglich zurückzugeben: " Ich begleite sie seit dem ersten Lehrjahr und sie waren damals schon erstaunlich weit", sagt Burkhard Münster, der Ausbildungsbeauftragte für die Produktion, über seine Schützlinge. Neben dem Aufarbeiten von Brot und Brötchen gehören auch die Arbeit am Ofen, in der Filiale, mit Feingebäck sowie in der Konditorei zum Ausbildungsalltag, der zumeist nachts stattfindet.


In einem können sie sich schon jetzt sicher sein: "Der Chef hat uns versprochen, dass wir übernommen werden". Das Strahlen auf dem Gesicht von Ameer und Naseer macht deutlich, dass Bernd Krome mit dieser Entscheidung zwei motivierte junge Fachkräfte hinzugewinnen wird. Und nach zwei Jahren der Festanstellung wartet dann hoffentlich auch die unbefristete Aufenthaltsgenehmigung auf die jungen Bäcker.

Greta Wiedemeier/ Westfalen Blatt - Wirtschaft Plus X/ Erste Ausgabe / 27.03.2020

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